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Positionen

                                                                       in - between

Bei dem Projekt In-between geht es um die Bedeutung von Zwischenräumen bzw. Negativräumen. Durch das Herausstellen von Negativräumen wirken Kompositionen einheitlich und geschlossen, denn der Raum wird nicht als Hintergrund verstanden, sondern steht auf einer Ebene mit dem Dargestellten. Damit erfährt die Komposition eine zusätzliche Betonung: Raum und Form werden gleichwertig behandelt, beide erhalten dieselbe Aufmerksamkeit. Die Arbeit erweitert sich somit um eine zusätzliche Dimension.

Willem de Kooning meinte, dass er nicht Gegenstände, sondern Zwischenräume male, die Sichtbarmachung des Raumes zwischen den Gegenständen war ihm wichtig. Alle Gegenstände bilden in Konstellation zueinander immer auch einen Raum zwischen sich selbst. Die Formen der Gegenstände bilden immer auch die Form des Raums zwischen den Gegenständen. (Zitat: „Ich male nicht Gegenstände, ich male Zwischenräume“; Quelle: Broschüre zur Ausstellung „Negativer Raum“ – Skulptur und Installation im 20./21. Jh. // 30 Jahre zkm Karlsruhe)

Dem Betrachter wird dieser Negativraum oft erst mit zeitlicher Verzögerung bewusst, springt ihm plötzlich als Form ins Auge. Die Konzentration auf Negativräume regt den visuellen Gehirnmodus an. Der „leere“ Raum des „Nichts“ wird als irritierend empfunden, Augen und Gedanken beginnen mit der Suche nach Bedeutung. Der Betrachter ist also sowohl formal als auch inhaltlich gefordert, das Gesehene aktiv zu untersuchen.

Dieses Thema reizt mich nicht nur ästhetisch, sondern auch inhaltlich. Bruce Naumann formulierte es folgendermaßen: „…“ , wenn er über den negativen Raum nachdenke, dann schaue er nach den Unter- und Rückseiten der Dinge. (Zitat: „Negativer Raum bedeutet für mich, dass ich über die Unterseite und die Rückseite von Dingen nachdenke“; Quelle: Broschüre zur Ausstellung „Negativer Raum“ –              Skulptur und Installation im 20./21. Jh. // 30 Jahre zkm Karlsruhe)

Als ständige Beobachter unseres Umfelds befinden wir uns oft zwischen den Polen und versuchen, unseren eigenen Standpunkt zu verorten. Für wenige Menschen gibt es spontane, eindeutige und klare Zuordnungen. Es gilt, sich mit dieser Unsicherheit - dem „Dazwischen“ - auseinanderzusetzen.

In den Zwischenräumen spielt sich oft auch „das Gefährliche“ zwischen den Protagonisten ab. So erscheinen norwegische Rentiere erhaben, stolz, souverän. Sie tragen ihre Geweihe wie Kronen zur Schau. Aber welchen Eindruck hinterlassen sie, wenn sich diese beim erbitterten Kampf komplett verhaken? Was geschieht im Raum zwischen den Tieren, wie gestaltet sich dieses Dazwischen? Die Menschen tragen keine Geweihe, die allerwenigsten Kronen, zu gefährlichen Auseinandersetzungen kommt es dennoch. Die Frage ist, wie sie auf der persönlichen, gesellschaftlichen oder auch politischen Ebene ausgetragen werden.

Vor diesem Hintergrund ging es bei der Komposition der Stehlen nicht nur darum, wie das dreidimensionale Ornament angelegt wird, sondern auch darum wo die jeweilige Wiederholung in Bezug auf das Gegenüber notwendig ist, um die Form des Zwischenraums zu gestalten. Der maximale Hell-Dunkel-Kontrast soll mithilfe der Farben Schwarz und Weiß die visuelle Wahrnehmung unterstützen und das Erkennen des Negativraums erleichtern.

 

Bei der zwei- bzw. dreidimensionalen Umsetzung gilt das Blickinteresse nicht also so sehr den Formen des Körpers, der Gegenstände, sondern den Formen des leeren Raumes „in-between“.

Die Arbeit fordert dazu auf, das Unsichtbare zwischen den Dingen wahrzunehmen: jenen Raum, in dem Beziehung, Spannung und Bedeutung entstehen.

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